Definition: Boden

Bodenbedeckung/Bodennutzung

"Boden" ist ein weltweit häufig verwendeter Begriff, für den allerdings selten Definitionen angeführt werden.

Die abteilungsübergreifende Arbeitsgruppe für Bodennutzungsplanung IDWG-LUP der FAO schlug 1994 folgende Definition vor: "Ein abgrenzbares Gebiet der terrestrischen Erdoberfläche, das alle Attribute der Biosphäre unmittelbar über und unter dieser Oberfläche umfasst, einschließlich derjenigen des Klimas nahe der Oberfläche, Boden- und Geländeformen, Oberflächenhydrologie, einschließlich seichter Seen, Flüsse und Sumpfgebiete, der oberflächennahen Sedimentschichten und der dazugehörigen Grundwasser- und geohydrologischen Reserven, der Pflanzen- und Tierpopulationen, der menschlichen Siedlungsmuster und physischen Ergebnisse vergangener und gegenwärtiger menschlicher Aktivitäten (Terrassierung, Wasserspeicher- oder Entwässerungsstrukturen, Straßen, Gebäude usw.)."

Die Frage des zu berücksichtigenden Bereichs wird über diese Definition ebenfalls eingeführt: "alle Attribute der Biosphäre unmittelbar über und unter der Oberfläche". Bei der Bodenbedeckung ist diese Frage leicht zu lösen: das Bezugsgebiet für den Boden liegt über der Oberfläche (siehe Definitionen im nächsten Kapitel). Bei der Bodennutzung ist die Lage komplexer: aus pragmatischer Sicht und in Anbetracht der Bedeutung und Wichtigkeit der Aspekte einer Mehrfachnutzung in "städtischen" Gebieten in Hinblick auf ihren wirtschaftlichen Wert sollte "Boden" auch Nutzungen auf ober- und unterirdischen Niveaus umfassen. Besondere Probleme können bei Erzlagerstätten, Tunnels unter städtischen Gebieten, Wasserressourcen, Pilzgeflechten im Boden usw. auftreten. Umfassen zum Beispiel Gebiete, die zur Erdölförderung genutzt werden, das gesamte Förderungsfeld (und in gewissem Maße die gesamte Erdölzuteilung) oder nur die Bohrstelle selbst? 

Um die Anzahl potentieller Probleme gering zu halten, wird angeregt, die Anwendung auf angemessene Fälle einzuschränken. Es wird vorgeschlagen, "städtische" Nutzungen auf ober- und unterirdischem Niveau zuzulassen (im Falle von Gebäuden mit Geschäften im Erdgeschoss, Wohnungen und Büros darüber und einer Tiefgarage darunter). Das wichtigste Problem betrifft somit die Gewinnung natürlicher Ressourcen (einschließlich Wasservorräte). Angesichts dieser Schwierigkeit (auch in Hinblick auf die Sammlung entsprechender Daten) wird vorgeschlagen, die Ausdehnung solcher Nutzungen auf ihre physischen Auswirkungen auf Bodenniveau zu beschränken (Erdölbohrstelle, Pilzkultur usw.). Dieses Prinzip kann für jegliche Nutzungsarten verallgemeinert werden.

Aufgrund des Kontextes globaler Informationssysteme zur Bodenbedeckung und -nutzung und aufgrund der Schwierigkeiten bei der klaren Abgrenzung zwischen Boden- und Wasserflächen (insbesondere bei Feuchtgebieten) wird eine Ausweitung des Begriffes "Boden" auf Binnengewässer und Wattgebiete empfohlen.

Dieser Ansatz und Definitionsvorschlag ist von den Konzepten, die von Statistikern zur Bestimmung der genutzten Landfläche für statistische Zwecke verwendet werden, klar zu trennen. Eurostat hat kürzlich vorgeschlagen (EUROSTAT 1999), für statistische Zwecke das Konzept "Landfläche" zu verwenden und somit Seen, Flüsse und Küstengebiete auszuschließen. Dies ist zum Beispiel im Zusammenhang mit der Berechnung der Bevölkerungsdichte leicht verständlich, da ein Staat wie die Niederlande zu 17 % aus Wasserflächen besteht. Der Ansatz von Eurostat beruht auf der Notwendigkeit, harmonisierte statistische Daten bereitzustellen, was am besten durch die Berechnung der Bevölkerungsdichte veranschaulicht werden kann (die Zahlen für die Niederlande würden sich drastisch ändern, wenn man die Wasserflächen bei der Gesamtfläche des Landes berücksichtigte).
Quelle:
Eurostat, "Handbuch zu den Konzepten der Informationssysteme für Bodenbedeckung und -nutzung (Ausgabe 2000)", Amt für amtliche Veröffentlichungen der europäischen Gemeinschaften, Luxembourg, 2001
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