Definition: Titel mit Perioden ohne Zinszahlungen

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Bei einigen Schuldtiteln sind Perioden ohne Zinszahlungen vorgesehen. Dieser Fall wird weder im ESVG 1995 noch im SNA erwähnt. Solche Titel sind im Falle von Anleihen heute aber eher selten. Dennoch tritt der Staat gelegentlich mit Anleihen dieser Art in Erscheinung, sei es zugunsten von Entwicklungsländern, sei es für Zwecke des Gemeinwohls im eigenen Land. Zunächst einmal werden Titel mit 0 % Zinsen - festgesetzt für die Periode ohne Zinszahlungen - behandelt. Hier laufen keine Zinsen auf, da die Kreditkosten real bei Null liegen. Während dieser Zeit hat der Schuldner keine Zinsverpflichtungen. Diese Feststellung gilt auch dann, wenn der für eine zweite Periode berechnete Zinssatz so korrigiert wurde, dass der endgültige Zinsertrag im großen und ganzen dem Wert gleichkommt, der bei "normalen" Bedingungen über die gesamte Laufzeit des Titels erreicht würde. In anderen Fällen werden die Zinszahlungen nur von der zinsfreien Periode in die Restlaufzeit des Titels verlagert. Die Kreditkosten sind dann nicht gleich Null. In Wirklichkeit werden Zinsen fällig, doch werden diese kapitalisiert. Der während der ersten Periode aufgelaufene Zinsbetrag wird später gezahlt, wobei dafür verschiedene Formen möglich sind (dem ersten Kupon zugeschlagen, über die verbleibende Laufzeit verteilt, zusammen mit der letzten Tilgungsrate beglichen, eventuell in Form von neuen Wertpapieren).
Quelle:
Handbuch zum ESVG 1995: Defizit und Schuldenstand des Staates, Ausgabe 2002, Eurostat, Kapitel II.5
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