Definition: Durch den Kongress erzeugte Beschäftigung

Tourismus

Definition:

Die durch Kongresse und Konferenzen erzeugte Beschäftigung umfasst alle in der Organisation des Kongresses, der Kongressbetreuung und bei örtlichen Tourismusdienstleistern tätigen Personen.

Erläuterungen:

Diese allgemeine Definition bringt ein Berechnungsproblem mit sich. So wurde oben zwar eine Methodik für die Einbeziehung der durch die Organisation und die Kongressbetreuung entstehenden Beschäftigung entwickelt, doch ist es schwierig, die durch die örtlichen Tourismusdienstleister hervorgebrachte Beschäftigung zu messen. Für die Messung dieses Beschäftigungstyps 
gibt es drei Möglichkeiten [Gemeinschaftliche Methodik für die Tourismusstatistik, Eurostat, 1998].

1. Wirtschaftszweigbezogene Schätzung

Dies ist im Prinzip das einfachste Verfahren. Hier werden die Personen aller Wirtschaftszweige gezählt, die Dienstleistungen gegenüber den Teilnehmern erbringen. Dabei sind allerdings zwei Probleme zu berücksichtigen: 1) Die Personen erbringen ihre Dienstleistungen nicht nur gegenüber den Kongressteilnehmern, sondern auch für andere Personen, und zwar nicht nur für andere Kategorien von Touristen, sondern auch für die lokale Bevölkerung (z. B. in Restaurants); 2) Einige durch den Kongress beschäftigte Personen verkaufen ihre Produkte nicht direkt an den Kongresssektor (z. B. Hersteller von Tonanlagen für Konferenzsäle).

2.  Beschäftigtenbezogene Schätzung

Aus den in allen EU-Ländern durchgeführten Arbeitskräfteerhebungen lassen sich detaillierte Beschäftigtenzahlen für jedes Land entnehmen. Es ist jedoch schwierig, die Tätigkeit inhaltlich zu beschreiben und den Anteil der tatsächlich für Kongresse tätigen Personen zu schätzen. Insofern gibt es sowohl Definitionsprobleme (keine tiefere Gliederung) als auch sektorspezifische Probleme (so lässt sich nicht feststellen, ob ein Kellner eines nahe gelegenen Restaurant seine Arbeit Kongressteilnehmern oder Stammgästen verdankt).

3. Ausgabenbezogene Schätzung

Die genannten Probleme lassen sich lösen, indem man von den Ausgaben der Teilnehmer oder Kunden ausgeht. Obwohl es unmöglich ist, den Einkommensempfänger zu ermitteln, lässt sich feststellen, wer Einkommen erzeugt. Demnach können die Teilnehmer und Veranstalter zu ihren Ausgaben befragt werden. Anhand dieser Angaben lässt sich ein Gesamtwert schätzen. Anschließend können Beschäftigungseinheiten je ausgegebene Geldeinheit geschätzt werden.

Ein geeignetes Beispiel für diese Vorgehensweise findet sich im Messe- und Ausstellungssektor. So ergab eine Studie der Exhibition Industry Federation, dass auf jeweils 12 900  von Besuchern und Ausstellern erzeugten ECU jeweils 0,37 Arbeitsplätze entfielen [EIF, 1992]. Daraus folgt, dass durch die im Messesektor der EU erwirtschafteten 18 Mrd. ECU über eine halbe Million Arbeitsplätze entstanden sind.
Quelle:
Methodological Manual for Statistics on Congresses and Conferences, Eurostat, S. 70/71
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