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Jahresbilanz 2015 des Zollfahndungsamts Hannover

2016-04-13 14:17:13

596 Ermittlungsverfahren gegen 784 Beschuldigte; 19 Verfahrenskomplexe zur organisierten Kriminalität; umfangreiche Sicherstellungen von Rauschgift und Zigaretten; Steuerschäden in Millionenhöhe durch Hinterziehung von Energiesteuer und Antidumpingzoll

Von den insgesamt 596 Ermittlungsverfahren mit 784 Beschuldigten richteten sich 19 umfangreiche Verfahrenskomplexe gegen Tätergruppierungen, die der internationalen organisierten Kriminalität zuzurechnen sind.

Wie schon in den vergangenen Jahren stellte die Bekämpfung des Zigarettenschmuggels mit rund einem Drittel der beim Zollfahndungsamt Hannover bearbeiteten Verfahren einen Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit dar. Die Nachfrage nach steuerfreien Schwarzmarktzigaretten hält weiter an und wird von hervorragend organisierten Tätergruppen bedient. Nicht selten haben diese mit großem Aufwand eine ausgeklügelte Logistik aufgebaut, um ihren Gewinn zu maximieren. Auch sind sie oftmals sehr erfahren im Umgang mit Ermittlungsbehörden und verhalten sich entsprechend vorsichtig.

"Wer sich unverzollte und unversteuerte Zigaretten verschafft, riskiert, wegen eines solchen "Schnäppchens" wegen Steuerhehlerei bestraft zu werden", warnt Thomas Schüre, Pressesprecher des Zollfahndungsamts Hannover. "Schlimmer noch: Mit jeder gekauften Schmuggelzigarette leistet der Käufer der organisierten Kriminalität zusätzlichen Vorschub."

Mehrere Tausend Tankwagenladungen von angeblichem Schmieröl, das jedoch zur Verwendung als Dieselkraftstoff nach Süd- und Osteuropa verkauft worden ist, beschäftigten die Ermittler im Bereich der Energiesteuerhinterziehung. In einem noch nicht abgeschlossenen Ermittlungskomplex ist bereits ein Steuerschaden im zweistelligen Millionenbereich absehbar. Die Herstellung der verschiedenen Fantasieprodukte wie "Schalungsöl" oder "Keramiköl" fand in einer Mischungsanlage in Burg in Sachsen-Anhalt statt. Die Beschuldigten bedienten sich eines schwer durchschaubaren Geflechts von Firmen im In- und Ausland, um ihre Aktivitäten als legale Geschäftstätigkeiten zu tarnen. Dieses konnte jedoch durch einen intensiven Rechts- und Amtshilfeverkehr mit den Zoll- und Strafverfolgungsbehörden in 15 EU-Staaten aufgedeckt werden. Dabei wurde deutlich, dass es sich nur um wenige Personen handelte, die in wechselnden Rollen in einem kriminellen Netzwerk agierten. Manipulierte Frachtbriefe, gefälschte Empfangsbescheinigungen, nicht existente Warenempfänger und Bargeldzahlungen in Höhe von insgesamt rund 120 Millionen Euro belegen die kriminelle Energie. Dies zeigt aber auch, wie komplex solche Ermittlungen sind, und dass erhebliche Personalressourcen eingesetzt werden müssen, um vor Gericht standhaltende Ergebnisse zu erzielen.

Am Dienstsitz Bremen des Zollfahndungsamts Hannover wurden mehrere Verfahren wegen des Verdachts der Biersteuerhinterziehung erfolgreich abgeschlossen. In drei Fällen hatten die Beschuldigten mehrere Firmen aufgekauft, für die sie zuvor noch über Strohmänner die Bewilligung von Biersteuerlagern erwirkt hatten. Dadurch wurde es möglich, innerhalb kürzester Zeit hunderte Lkw-Ladungen Bier (rund 31 Millionen Liter) umzuschlagen und unversteuert auf den europäischen Markt zu bringen. Der entstandene Steuerschaden beträgt rund 2,8 Millionen Euro.

Das Zollfahndungsamt Hannover hat aber auch durch eine enge Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden in Frankreich und Italien zur Aufdeckung von dortigen Steuermanipulationen beigetragen. So gelang es der italienischen Zollverwaltung, eine Tätergruppierung zu überführen, die mehr als 150 Millionen Liter unversteuerte alkoholische Getränke vermarktet hatte. In Frankreich konnte die Hinterziehung von Abgaben für mehr als 50 Millionen Liter Bier bewiesen werden. Die Täter hatten mit falschen Angaben zum Verbleib der Sendungen steuerfreie Lieferungen nach Deutschland vorgetäuscht.

Im Emder Hafen wurden im März 2015 drei Sporttaschen mit rund 59 Kilogramm Kokain sichergestellt. Sie befanden sich griffbereit in einem Seecontainer aus Argentinien, der Holzkohle enthielt. Offensichtlich hatten die Hintermänner einen sogenannten "Rip-Off" geplant. Dabei wird das Schmuggelgut einem legalen Warentransport ohne Wissen des Absenders an leicht zugänglicher Stelle beigepackt, damit es am Zielort möglichst schnell und unbemerkt wieder entnommen werden kann.

Im Juli 2015 entdeckten Mitarbeiter eines Braunschweiger Supermarkts beim Auspacken von Bananenkartons darin versteckte Kokainpakete. Daraufhin wurde sofort eine groß angelegte Überprüfungsaktion von der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) des Landeskriminalamts Niedersachsen und des Zollfahndungsamts Hannover organisiert, an der Zoll- und Polizeikräfte aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg beteiligt waren. In einer Vielzahl von Filialen und in einer Bananenreiferei in Hamburg kontrollierten die Fahnder mehr als 6.000 Kartons mit Bananen, die von der verdächtigen Importsendung noch greifbar waren. Insgesamt konnten dabei 450 Kilogramm Kokain sichergestellt werden.

Ein besonderer Fall des internationalen Marihuanaschmuggels wurde vom Dienstsitz Bremen des Zollfahndungsamts Hannover in enger Zusammenarbeit mit der finnischen Zollverwaltung erfolgreich abgeschlossen. Dabei gelang es, eine Tätergruppierung zu überführen, die Marihuana im Pkw-Verkehr über Ostsee-Fährverbindungen nach Finnland schmuggelte. Diese hatte vier Fahrzeuge mit aufwendigen Schmuggelverstecken ausgerüstet. Als Kurierfahrer wurden diverse nacheinander rekrutierte Personen eingesetzt.

Die Zollfahnder vom Dienstsitz Magdeburg des Zollfahndungsamts Hannover kamen im August 2015 einem Fall von illegaler Arzneimittelproduktion und schwunghaftem Internethandel auf die Spur. In den Wohnungen von drei Männern aus Hannover und Braunschweig entdeckten sie nach intensiven Ermittlungen verschiedene Chemikalien, Tabletten, Hunderte Injektionsflaschen, zwei Liter Dopingsubstanzen (Anabolika) und mehrere Tausend Euro Bargeld. Darüber hinaus wurden versandfertige Päckchen mit Arzneimitteln für Kunden im In- und Ausland sichergestellt. Diese hatten Vorkasse geleistet, indem sie Bargeld an die Täter geschickt hatten. Durch aufwendige Auswertungen von Computer- und Mobiltelefondaten konnte nachgewiesen werden, dass die Geschäfte schon seit mehreren Jahren betrieben wurden.

) Anmerkung: Weitere 450 Kilogramm Kokain wurden bei der Überprüfung von Bananenkartons durch die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (Landeskriminalamt Niedersachsen und Zollfahndungsamt Hannover) sichergestellt. Zur Vermeidung einer doppelten Erfassung wird diese Menge von der niedersächsischen Polizei statistisch erfasst.

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Kategorie: Zoll im Fokus
Quelle: www.zoll.de