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"Um die Zukunft der Städte mache ich mir keine Sorgen"

2016-01-24 23:45:13

Thüringer im Bundestag - Iris Gleicke (SPD) über eine aktuelle Studie über Zu- und Abwanderung in den neuen Bundesländern

Thüringer Allgemeine (TA): Frau Staatssekretärin, Sie werden in dieser Woche eine Studie über die Binnenwanderung der Menschen in Ostdeutschland vorstellen. Wird da Gutes über ihr Heimatland Thüringen berichtet?

Iris Gleicke: Aber ja! Ich verrate Ihnen gerne schon mal so viel, dass sich Jena laut dieser Studie zu einer der wenigen Wachstumsinseln im Osten entwickelt hat. Jena ist bei den 18- bis 24-Jährigen offenbar unglaublich beliebt und belegt in diesem Ranking hinter Leipzig den zweiten Platz. Viele ostdeutsche Universitäten, das wird in der Studie ganz deutlich, sind dank einer Reihe von Förderprogrammen im Wettbewerb um die jungen und klugen Köpfe sehr gut aufgestellt. Bei anerkannt hoher und höchster Qualität verfugen sie im Vergleich zu vielen West-Unis oft über besser ausgestattete Lehrräume und sind nicht so überlaufen, hinzu kommen oft leichtere Zugangsvoraussetzungen und niedrigere Mieten.

Iris Gleicke: Besonders von den kleineren Hochschulstädten schaffen es viele noch nicht, die Studenten langfristig an sich zu binden. Viele junge Leute gehen nach dem Abschluss des Studiums wieder weg, um woanders zu arbeiten. Zu den guten Studienplätzen müssen eben noch genug attraktive Arbeitsplätze kommen. Aber ich bin da zuversichtlich. Um die Zukunft der Städte mache ich mir eigentlich weniger Sorgen. Aber so eine Medaille hat immer zwei Seiten.

Iris Gleicke: Die Attraktivität der Städte, über die wir uns alle freuen, trägt auf der anderen Seite wesentlich dazu bei, dass die Abwanderung aus dem ländlichen Raum ungebrochen weitergeht. Als Faustregel gilt: Je kleiner die Gemeinde, desto größer ist die Abwanderung. Vor allem Gemeinden unter 1000 Einwohnern verlieren junge Leute. Deshalb ist die dauerhafte Sicherung der Daseinsvorsorge in den ländlichen Regionen eine Riesenaufgabe. Da sind nicht zuletzt pfiffige Lösungen wie die mobile Krankenschwester Agnes oder der Personen und Güter transportierende Kom-biBus gefragt. Wir müssen und wir werden damit klarkommen, dass uns die Folgen der demografischen Entwicklung früher und härter erwischen als den Westen. Wir haben in den zurückliegenden 25 Jahren so unglaublich viel geschafft, den Rest schaffen wir auch noch.

Iris Gleicke: Die Lust dieser Zeitung am liebevollen Spott in allen Ehren, aber Mecklenburg-Vorpommern hat sich unterdessen zum beliebtesten deutschen Urlaubsland entwickelt und Weimar ist eine wunderschöne und lebenswerte Universitätsstadt. Ost-Rente und Länderfinanzausgleich sind Kernthemen der Regierungskoalition.

Iris Gleicke: Das sehe ich nicht. Über den Länderfinanzausgleich und die mir so wichtige Förderung der strukturschwachen Regionen wird verhandelt. Bei der Ostrente liegen wir voll im Zeitplan. Auch wenn einige ostdeutsche Unionsabgeordnete auf einmal an Gedächtnisschwund zu leiden scheinen, was die entsprechende Passage im Koalitionsvertrag angeht. Ich bleibe da dran.

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Kategorie: BMWi Wirtschaft
Quelle: www.bmwi.de